Geschichte von Holzen
 



Quellen
Alle Informationen in diesem kurzen Text stammen aus dem Buch „Holzen“, in dem Rudolf Reime († 1974) die Geschichte unseres Dorfes in einer schier unglaublichen Arbeit aufbereitet hat. Demjenigen, der also wirklich an tiefergehenden Informationen über Holzen interessiert ist, soll dieses Buch sehr empfohlen werden.

Alter des Dorfes
Die erste schriftliche Erwähnung Holzens datiert auf das Jahr 1249. Gefunden wurde diese Jahreszahl allerdings nur in einer Abschrift der ursprünglichen Urkunde. Die Abschrift stammt vom 24. Januar 1475. Diese Urkunde liegt im Staatsarchiv Basel-Stadt (Istein Urkunde Nr.11). Ab dem Jahre 1275 wird Holzen immer wieder unter den Namen Holzhain oder Holzhein und schliesslich ab 1430 als Holzheim bzw. 1493 als Holtzheim aufgeführt. In Urkunden nach 1765 wird durchgängig der heutige Name Holzen verwendet. Es besteht aber durchaus die Möglichkeit, dass Holzen wesentlich älter ist, als 1249. So wurden an einigen Orten, wie z.B. dem Äusseren Sausenhard, im Bühl und am Fehrbachsbuck, Steinbeile aus der Steinzeit gefunden, die auf eine frühe Siedlung hinweisen. Auch besteht die Annahme, dass hier bereits in der Keltenzeit eine Ansiedlung gewesen ist, da die Kelten mit dem Abbau von Erzen im Behlen begonnen haben und die Schürfstellen nur unweit vom heutigen Holzen entfernt liegen. Möglich wäre ferner, dass die Römer, die im Behlen wahrscheinlich ebenfalls den Bergbau betrieben haben könnten, hier gewesen sind. Der Steinacker am Gupfer Weg dürfte an diese Zeit erinnern, da Gupf ja ein römischer Meierhof gewesen sein soll. Auch die Strasse von Kandern über Hammerstein, die am Einig vorbeiführt, ist von den Römern erbaut worden.

Das Wappen
Das Wappen von Holzen zeigt eine blaue Traube mit zwei grünen Blättern auf silbernem Grund. Dieses Wappen wurde im Jahr 1902 auf Grund eines Gesuchs der Gemeinde Holzen vom Generallandesarchiv angefertigt und von der Gemeinde angenommen. Die Genehmigung des Innenministeriums erfolgte am 21.4.1902.

Kriege
Kaum zu glauben, aber auch Holzen war von Kriegen betroffen. So gab es bei den badischen Revolutionen im April 1848 eine Schlacht bei Kandern, bei der der Revolutionär Hecker, von dem inzwischen mobilisierten badischen, hessischen und württembergischen Militär, geschlagen wurde. Bei dieser Schlacht fiel der hessische General Gagern. Bei der dritten badischen Revolution brach unter den in Lörrach und Umgebung lagernden Truppenteilen am 11. Mai 1849 eine Meuterei aus. Am 12. und 13 Mail marschierten die Lörracher Garnisonen nach Kandern und von da über Mülheim und Freiburg nach Karlsruhe. Holzen und wahrscheinlich auch die Nachbarorte waren jedoch regierungstreu und hatten mit Gleichgesinnten aus den Nachbarorten eine kleine bewaffnete Truppe aufgestellt. Am 24. Juni 1849 kamen die Lörracher Republikaner nach Kandern. Der einen Überlieferung nach, trafen die revolutionären und die regierungstreuen Truppen, am nämlichen Tag, in Riedlingen im Hof der Wirtschaft aufeinander. Die revolutionären Truppen sollen die regierungstreuen Truppen, als auch die Holzener, aufgefordert haben die Waffen zu strecken, was diese aber verweigerten. Darauf soll es zu einer Schiesserei gekommen sein, die in beiderseitiger Flucht endete. Der Anführer der revolutionären Truppen, ein gewisser Keller aus Wien, soll dabei getötet worden sein, aber auch Holzen musste mit Fr. Silbereisen einen Toten beklagen, der bei dem Gefecht ebenfalls fiel. Der Bauer Feuchter aus Holzen erhielt einen Bauchschuss, der jedoch geheilt werden konnte. Auch Johann Schelker von Holzen soll bei diesem Gefecht verwundet worden sein. Am 19. August 1849, nach dem die Revolution beendet war, wurde eine öffentliche Totenfeier für den gefallen Johann Friedrich Silbereisen veranstaltet.

Neben dieser Überlieferung, bei der ein Krieg offenbar direkt vor unsere Haustür stattfand, hat Holzen aber auch viele Gefallene in den beiden Weltkriegen zu beklagen. Im ersten Weltkrieg starben 19 Holzener und im zweiten Weltkrieg waren es gar 35. Bei einer Bevölkerung von unter 500 Menschen, auch statistisch gesehen, eine erschreckend hohe Zahl. Die Namen der gefallenen Holzener sind auf einem Sandstein auf dem Friedhof des Dorfes aufgeführt.

Neuere Geschichte
Holzen gehört seit 1974 zur Stadt Kandern. Dieser Anschluss erfolgte jedoch nicht ganz freiwillig und wurde auch im Vorwort zum Buch „Holzen“ vom damaligen Ortsvorsteher Zumkehr mit folgenden Worten begleitet:

„Mit dem ersten März 1974 hat sich in der 700-jährige Geschichte unsere Gemeinde der wohl tiefgreifenste Schritt vollzogen: Holzen hört an diesem Tage auf, als selbständige Gemeinde zu bestehen. Wir wurden zusammen mit fünf anderen Gemeinden Stadtteil der Nachbarstadt Kandern. Für spätere Zeiten sei festgehalten, dass die betreffende Vereinbarung über den Zusammenschluss nur unter dem Druck der doch zu erwartenden zwangsweisen Eingemeindung „freiwillig“ erfolgte....Der aufmerksame Leser der Chronik wird feststellen müssen, dass sich auch früher schon der Bürger manchen schmerzlichen Eingriff gefallen lassen musste. Aus dieser Erkenntnis heraus können wir vielleicht den Verlust der Selbstständigkeit über uns ergehen lassen in der Gewissheit, dass die Nähe der Lebensgemeinschaft im Dorf-, Kirchen- und Vereinsleben Kräfte entwickeln kann, die tragfähiger sind als zeitbedingte Reformstrukturen....Dieses Buch soll uns ein wenig mahnen und zum Nachdenken darüber anregen, dass eine durch Jahrhunderte gewachsene Gemeinschaft mit all ihren kleinen und grossen Eigentümlichkeiten auch in unserem Zeitalter nicht mit einem Federstrich ausgelöscht werden kann und darf. Ein Stück Heimatgeschichte soll sich hier vor unseren Augen entfalten. Es soll denen, die Holzen und seine Umgebung noch nicht kennen, zum Kennenlernen dieser liebenswerten Landschaft helfen, helfen auch dazu, die Menschen zu verstehen und an der heutigen Entwicklung wachen und verantwortungsbewussten Anteil zu nehmen.“

Schlusswort
Als unser ehemaliger Ortsvorsteher Fritz Zumkehr die obigen Worte geschrieben hat, war ich noch ein kleiner Junge von ganzen 8 Jahren. Ich kann mich daran erinnern, dass es auch bei uns zu Hause darüber mehr oder weniger heftige Diskussionen gab, zumal auch mein Vater, Gerhard Brombacher, im letzten Gemeinderat von Holzen war.
Jetzt, also 31 Jahre nach dem diese Worte geschrieben und von mir im Zusammenhang mit dem Aufbau dieser Web-Site wieder gelesen wurden, wird deren visionärer Inhalt erst deutlich und eröffnet zugleich die Möglichkeit all jene zu beruhigen, die damals und vielleicht auch noch heute Angst um die Gemeinschaft hatten und haben. Heute im Herbst 2005 können wir bestätigen, dass die erwähnten Kräfte der Lebensgemeinschaft noch immer funktionieren und das auch in Zeiten der Geldnot und der ständigen Veränderungen und Krisen, durch die Mithilfe und das Engagement vieler Holzener, vieles in unserem Dorf bewegt werden konnte und kann. Vielleicht ist es gerade das, diese Gemeinschaft, die man mit dem Wort „Heimat“ meint.

Jürgen Brombacher

-

 

Optimiert für Internet-Explorer (1024 x 768)

 Entwicklung und Design von J. Brombacher für Holzen